Kein Flash-Plugin vorhanden
Benutzername 
Passwort 
30. Oktober 2008 11:19
Aktuell
Magazin
Freizeit
Unterhaltung
Vorteilsclub
Service
Anzeigen
Dienste

30.10.2008 05:01

"Alle Einzelteile meiner Knochen"

Büchner-Preis, Frankreich-Tour, Fotoband und Film: Josef Winkler ist im Stress.
Josef Winkler   Foto: APA/Georg Hochmuth (Archivbild)
"Luxuriös, aber sehr anstrengend," empfindet Josef Winkler die "große Aufmerksamkeit", die ihm derzeit zuteil wird. Vor drei Wochen nahm der 55-Jährige in der Wiener Hofburg den Österreichischen Staatspreis entgegen, am Samstag erhält der Kärntner Bauernbub aus Kamering im Staatstheater Darmstadt den Büchner-Preis.

"Schöner Ausländer". Anschließend ist der Schriftsteller für zwei Wochen ein "schöner Ausländer": Sein Roman "Muttersprache" wurde ins Französische übersetzt und Winkler tourt als Gast der Reihe "Les belles etrangères" durch Frankreich. Ende November soll das Episodenfilmporträt "Der Kinoleinwandgeher" in die österreichischen Kinos kommen.

Handgeschrieben. Ein "schöner Inländer" ist das Buch zum Film von Michael Pfeifenberger, das soeben in der Bibliothek der Provinz erschienen ist: Am oberen Seitenrand läuft ein Band mit atmosphärisch berückenden Fotos, am unteren eine fortlaufende fünfzeilige Textspur, die hineinzieht in die barocke literarische Welt des Josef Winkler. Die Einleitung ist handgeschrieben wie die Manuskripte des Autors, der seine Sätze stets zuerst mit Füllfeder zu Papier bringt: "Ich arbeite an einer Sprechmaschine, die den Tod in alle Einzelteile meiner Knochen zerlegen wird..."

"Kein Tanz ums goldene Kalb". Die Fotoleiste nimmt das Anliegen des Filmporträts auf und führt über heimische Wiesen und Friedhöfe bis zu exotischen Totenfesten und in einen Zwergerlpark. "Nicht zu oft," wollte Winkler sich selbst abgebildet sehen: "Ich will da keinen Tanz ums goldene Kalb". Im Anhang erläutern Regisseur Pfeifenberger und Josef Winkler das Konzept des Filmes.

Revolutionär. Längst fertig hat Josef Winkler seine Büchner-Preis-Rede, über die vor dem 1. November, 16 Uhr, Stillschweigen herrscht. "Natürlich," soviel verrät der Schriftsteller, "ist es keine Rede, so was kann ich ja gar nicht, sondern ein literarischen Text". Eher unbeeindruckt lässt Winkler der im deutschen Feuilleton mehrfach geäußerte Vorwurf, er sei provinziell und verdiene die renommierteste deutsche Literaturauszeichnung nicht.

"Ganz großer Schriftsteller". Diese Einwände wies der Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, Klaus Reichert, Mittwoch am Rande der Herbsttagung zurück. "Er schwimmt nicht im Strom der Autoren, auf deren neuestes Buch man immer gespannt ist wie auf den neuen Walser oder den neuen Grass," räumte Reichert ein, nannte Josef Winkler aber "einen ganz großen Schriftsteller," dessen "Radikalität des Schreibens" ihn zu "einem Revolutionär, einem Ankläger" mache: "Da gibt es durchaus eine Verbindung zu Büchner."

USCHI LOIGGE
Drucken Versenden Zurück

Kommentare

Es sind noch keine Kommentare vorhanden.
Kommentar erstellen

AGB|Impressum & Kontakt|Über uns|Aboangebote|Tarif & Mediadaten