31. März 2007 | Kärnten | Kultur | Seite 65
Über den Kärntner Autor Josef Winkler wird ein Kino-Porträt gedreht.
BETTINA AUER Der Tod schmeckt süß in Mexiko. Allerheiligen und Allerseelen (Dias de los Muertos) werden mit süßem Totenbrot und Totenköpfen aus Zucker und Schokolade gefeiert. Dieser fast heitere Zugang zur Trauer hat Josef Winkler fasziniert und Mexiko neben Kärnten und der Steiermark zum perfekten Drehort für eine Kinodokumentation über den Autor gemacht. Unter dem Arbeitstitel „Der Kinoleinwandgeher“ produziert die Klagenfurter „Focusfilm“ ein 90-minütiges Porträt. Regie führt Michael Pfeifenberger, der mit Winkler gemeinsam das Drehbuch für die 300.000-Euro-Doku schreibt. „Ab Juni wird in Kärnten und der Steiermark gedreht“, sagt Pfeifenberger. Wie eine Collage sollen Zitate aus den Büchern, zwei Lesungen mit Publikum, nachgestellte Kindheitserinnerungen und Szenen aus dem Familienleben zu einem poetischen Porträt zusammengefügt werden. Heimliche Co-Autoren des Drehbuches sind die Mitglieder von Winklers Familie. Wie etwa der elfjährige Sohn, der seinem Vater nach einem gescheiterten Reparaturversuch vorwarf, „Du kannst ja gar nichts außer schreiben“, und sich damit einen Platz im Film sicherte. Ende Oktober reist Winkler samt Familie und Filmteam für zwei Wochen nach Mexiko, um die Dias de los Muertos und deren Vorbereitungen mitzuerleben. „Es ist der Aufbruch zu etwas Neuem, aber mit Motiven, die ich kenne“, sagt der Schriftsteller, der noch nie in Mexiko war. Im Mittelpunkt seines Interesses stehen natürlich die lateinamerikanischen katholischen Totenriten samt Pappmaché-Skeletten und Zucker-Totenköpfen. Im Gegensatz zum Hinduismus ließen sich diese mit Kärntner Bräuchen wie Fronleichnamsprozessionen und Kirchleintragen durchaus mischen, wie Winkler meint. Deshalb wird nicht in Indien gedreht, obwohl der 54-Jährige das Land achtmal bereiste, was in seinen Texten bekanntlich großen Widerhall fand. Mexiko war wohl eine gute Wahl. „Es ist eine Fundgrube von Winkler-Bildern“, sagt Pfeifenberger, der schon das Zwischenschnittmaterial im Kasten hat. Sogar einen Drehort für den „Friedhof der bitteren Orangen“ hat der Regisseur ausfindig gemacht.
Auf den Spuren der „Tage der Toten“: Josef Winkler fährt Ende Oktober mit seiner Familie zu den Dreharbeiten nach Mexiko. Regisseur Michael Pfeifenberger hat das Zwischenschnittmaterial bereits im Kasten.
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