KINOLEINWANDGEHER
Schauen mit der Filmkopfkamera
Regisseur Michael Pfeifenberger versucht mit filmischen Mitteln dem Werk und Leben des Schriftstellers Josef Winkler gerecht zu werden.
REINHOLD REITERER
Wenn mich im Kärntner Drautal nicht so viele Menschen verachten und hassen würden, hätte ich mir längst schon den Garaus gemacht, aber denen den Gefallen tun?“ Wie wir wissen, hat sich Josef Winkler dem Leben und der Literatur verschrieben, in der er sich immer wieder mit dem Tod auseinander setzt. Diesem bis auf die kleinsten Details auf die Spur kommen möchte.
Auf sein literarisches Verfahren gibt der Büchner-Preisträger immer wieder zweckdienliche Hinweise. Beispielsweise in der im Vorjahr erschienenen Erzählung „Ich reiß mir eine Wimper aus und stech dich damit tot“. Er präsentiert sich darin als aufrecht durch die Welt Gehender, der durch eine Filmkopfkamera auf das Geschehen und die Umgebung blickt. „Betrete ich mit meiner Filmkopfkamera eine mir bis dahin unbekannte Stadt, frage ich nicht nach den allseits bebilderten farbigen Sehenswürdigkeiten, sondern nach den Friedhöfen und den Totenhäusern“.
Der Regisseur Michael Pfeifenberger hat nun mit „Der Kinoleinwandgeher“ den Versuch unternommen, Josef Winkler mit einem Film gerecht zu werden. Ein unmögliches Unterfangen, dem Pfeifenberger viel abgewonnen hat. „Naked-Lunch“-Sänger Oliver Welter hilft ihm dabei auf der Tonspur.
Pfeifenberger setzt bei seiner cineastischen Aufwärmrunde (zu Recht) auf „Winnetou“. In einer Art freiem Assoziieren begleitet er Winkler mit der Kamera in Kärnten, Mexiko oder Indien. Die Methode des Collagierens erschafft Räume, die unterschiedlich gefüllt werden: mit dokumentarischen Aufnahmen, nachgestellten Szenen (Martin Weinek fungiert als Pfarrer). Spürbar wird eine Form der Besessenheit in den unterschiedlichsten Ausprägungen, die nicht nur einen Fanatismus transportieren, sondern auch eine feine Komik. Winklers Sohn Kasimir, der im Film den heranwachsenden eigenen Vater darstellt, wird einmal sagen: „Papa, außer Schreiben kannst du wirklich nix“. Damit der Herr Vater so weit gekommen ist, hat er eine Schule des Schauens durchlaufen müssen und dabei war ihm das Kino eine sehr große Hilfe. ![]()
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